Wissen und Technik

Wlan an den Schulen? Keine Ahnung

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Die Unterschiede in der IT-Ausstattung zwischen den Schulen sind bundesweit enorm. Manche Länder haben nicht einmal einen Überblick über die Zustände.

Der Digitalpakt soll die Vernetzung in den Schulen fördern.

Seit Jahren warten die Schulen in Deutschland darauf, jetzt ist es endlich soweit: Der milliardenschwere Digitalpakt soll an diesem Freitag die letzte Hürde nehmen. Viele Schulen brauchen die Mittel dringend, das zeigen Studien. Auch wer sich unter Bildungsexperten über die IT-Ausstattung deutscher Schulen umhört, bekommt oft haarsträubende Geschichten erzählt. Da ist etwa von Schulen die Rede, in der immer nur eine Klasse ins Internet gehen kann, weil sonst das Wlan zusammenbrechen würde.

Doch wie genau ist die Lage vor Ort, sind Länder und Kommunen auf den Digitalpakt vorbereitet? „Wir haben bundesweit ein sehr heterogenes Bild“, sagt Marja-Liisa Völlers, Obfrau der SPD-Bundestagsfraktion für digitale Bildung. Das fange damit an, dass manche Kommunen bereits mit eigenen Mitteln den IT-Ausbau an ihren Schulen anschieben konnten, andere nicht.

Schleswig-Holstein kennt den Status Quo

Der Druck der Kommunen auf die Länder, jetzt schnell die Auszahlung der Mittel zu ermöglichen, ist Völlers’ Eindruck nach enorm: „Ich habe schon im vergangenen Herbst erboste Anrufe von Bürgermeistern bekommen, warum es mit dem Digitalpakt so lange dauert.“

Die Unterschiede zwischen den Ländern sind schon bei der Frage groß, ob sie überhaupt einen Überblick über die IT-Ausstattung ihrer Schulen haben. Manche Flächenländer wie Schleswig-Holstein kennen den Status Quo. 2018 hatte sich an den dortigen Schulen der Anteil der schnellen Internetanschlüsse auf 51,3 Prozent erhöht, nach 29,7 Prozent zwei Jahre zuvor. 77 Prozent verfügten zumindest in einigen Bereichen über Wlan.


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Das Datenvolumen fehlt, damit alle Klassen online sein können

Niedersachsen führte in Vorbereitung auf den Digitalpakt 2017/18 eine IT-Erhebung an den allgemeinbildenden Schulen durch. Bei 30 Prozent gibt es Wlan in jedem Klassenzimmer. Allerdings verfügten nur sechs Prozent über eine Verbindung mit so viel Datenvolumen, dass tatsächlich alle Klassen gleichzeitig das Internet nutzen könnten.

Ganz anders die Lage etwa in Berlin. Hier ist es aktuell unmöglich, einen Überblick zu bekommen: Das Land weiß weder, wie viele Schulen bereits mit Breitbandanschluss ausgestattet sind, noch wie es um die Wlan-Ausleuchtung bestellt ist. Somit kann die Bildungsverwaltung kaum einschätzen, wie die 257 Millionen Euro aus dem Digitalpakt ausgegeben werden.

Die Berliner Bezirke wissen besonders wenig

Das volle Ausmaß des Informationsdefizits war erst kürzlich durch eine Anfrage des Berliner FDP-Bildungsexperten Paul Fresdorf bekannt geworden. Nur wenige der zwölf Berliner Bezirke konnten vermelden, dass alle öffentlichen Schulen mit einem Breitbandanschluss versorgt seien. Aber auch dann wurde einschränkend hinzugefügt, dass es sich nur um „angemessene“, nicht aber um „leistungsstarke“ Anschlüsse handele. Pankow etwa gab zur Auskunft, dass es sich „zum gegenwärtigen Zeitpunkt“ nicht beantworten lasse, wann seine Schulen mit einem „leistungsstarken Anschluss inklusive Lan/Wlan-Struktur“ ausgestattet werden könnten.

Mit dieser Auskunft gehörte Pankow sogar zu den Vorreitern unter den Bezirken. Andere Schulämter sahen sich nicht in der Lage, überhaupt irgendeine Antwort auf Fresdorfs Fragen zu geben. Für den Bezirk Mitte etwa bat Bildungsstadtrat Carsten Spallek (CDU) um Verständnis: Die Schulbauoffensive binde alle Kräfte im knapp ausgestatteten Schulamt.

“Wir brauchen mehr Personal für die Digitalisierung”

„Wir müssen das Personal aufstocken“, steht daher für die grüne Bildungsexpertin Stefanie Remlinger fest. Wer glaube, dass sich die Digitalisierung quasi nebenbei machen lasse, irre. Vielmehr brauchten die Schulträger Mitarbeiter, die sich um die digitale Infrastruktur kümmern könnten. „Die Digitalisierung könnte zur Entlastung der Lehrer beitragen. Es ist schade, dass sich diese Entlastung verzögert durch die fehlenden Voraussetzungen”, bedauert Remlinger. Wie berichtet, hatte eine Bitkom-Studie gerade erst ergeben, dass Lehrer digitale Medien einsetzen wollen, es aber wegen der schlechten Ausrüstung nicht können.

Der Digitalpakt war am Donnerstag auch kurzzeitig Thema im Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses: Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) berichtete, dass das Land die Glasfaseranbindung der beruflichen Oberstufenzentren vorantreibe. Als nächstes seien die Schulen in Neukölln dran, das als „Modellbezirk“ auserkoren wurde. In Bezug auf den fehlenden Überblick über die technischen Bedingungen in den Schulen verweist die Bildungsverwaltung allerdings generell auf die Bezirke, die als Schulträger sowohl für die Bestandsaufnahme als auch für die Ausrüstung zuständig seien. Am Freitag will sich die Bildungsverwaltung zur Verwendung der Digitalpaktmittel äußern.

Hamburg ist in einer anderen Lage als Berlin

In einer anderen Ausgangslage ist Hamburg: Anders als in Berlin gibt es hier keine zweistufige Verwaltung. Das bedeutet, dass sich Bezirke und Land nicht gegenseitig die Verantwortung zuschieben können. Die Bildungsbehörde von Senator Ties Rabe (SPD) kündigte auf Anfrage an, dass sie am Montag einen Überblick über die Bedingungen an den Schulen hinsichtlich des Digitalpaktes geben werde und auch darlegen will, wie sie die Digitalpaktmillionen ausgeben will.

Keine landesweiten Statistiken können Baden-Württemberg und NRW auf Anfrage nennen. In Baden-Württemberg fange man aber nicht bei Null an, sagte eine Sprecherin. Noch im März gebe es ein Gespräch mit den Kommunen, um die Bedarfe auszuloten. NRW verweist darauf, dass die IT-Ausstattung Sache der Schulträger sei, auch hier werde der Digitalpakt vorbereitet. Ebenso tauscht sich das Kultusministerium in Sachsen derzeit mit den Kommunen aus.

Warnung vor einem “Förderwirrwarr”

Der Überblick ist umso wichtiger, als dass der Digitalpakt gar nicht alle Maßnahmen fördert. Hauptsächlich sollen mit den Mitteln die Wlan-Ausleuchtung und die Vernetzung innerhalb des Schulhauses bezahlt werden. Laptops oder andere Endgeräte können dagegen Schulen dagegen nur begrenzt unter bestimmten Bedingungen erhalten. Gar nicht finanziert wird wiederum die Anbindung des Schulhauses an das öffentliche Breitbandnetz – also die Verbindung vom Schulkeller auf die Straße. Dafür ist ein anderes Programm aus dem Verkehrsministerium zuständig. Zusätzlich könnten Schulen eine moderne Verkabelung auch aus Mitteln des Schulsanierungsprogramms bezahlen, wenn sie eh saniert werden müssen.

Von einem “Förderwirrwar” spricht daher Katja Suding, stellvertretende FPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag und zuständig für Bildung: “Das ist eine Zumutung für die Kommunen.”

Die FDP fordert einen Digitalpakt 2.0

Und selbst wenn die IT-Infrastruktur in allen Schulen irgendwann stehen sollte – eine Garantie für digitalen Unterricht ist das noch lange nicht. Denn es bleiben Probleme, kritisiert Suding: Wer finanziert digitale Lernmittel, wer IT-Administratoren? Was ist mit dem Datenschutz?

Suding kennt einen Fall, in dem ein Schulleiter eine 120-seitige Datenschutzerklärung unterzeichnen sollte, bevor seine Schule ein digitales Lernmittel einsetzt: „Ich kann jeden Schulleiter verstehen, der damit Bauchschmerzen hat.” Lehrkräfte würden sich hier in einem Graubereich befinden, bei dem sie sich schnell strafbar machen. Die FDP fordert daher einen Digitalpakt 2.0, der alle diese Punkte berücksichtigt: „Wir dürfen bei den technischen Aspekten nicht stehen bleiben“, sagt Suding.

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