Wirtschaft

Daimler mit drastischem Gewinneinbruch

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Der Gewinn des Autokonzerns ist im vergangenen Jahr unter dem Strich fast um ein Drittel geschrumpft. In Zukunft solle alles besser werden, kündigt der scheidende Vorstandschef Dieter Zetsche an – aber wie?

Ist Dieter Zetsche eine lahme Ente (lame duck)? Zumindest glaubt das der Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB. “Mag sein, dass er einige Probleme nicht mehr mit dem nötigen Ernst angegangen ist”, sagt Schwope im Gespräch mit der DW, “aber ich denke, das wird sich deutlich ändern, wenn die Konzernführung an den bisherigen Daimler-Entwicklungschef Ola Källenius übergeben wird”.

Jedenfalls hat der scheidende Daimler-Chef mit seiner letzten Jahresbilanz einen herben Gewinneinbruch präsentieren müssen. Zetsche kündigte bereits Gegenmaßnahmen in der wichtigen Pkw-Sparte an – ohne allerdings Details zu nennen.

Abschied nach 13 Jahren an der Konzernspitze

“Wir sind in der Erarbeitung dieses Programms”, sagte der Manager am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz. Solange Umfang und einzelne Bestandteile nicht feststünden, könne er sich dazu nicht weiter äußern. Die Umsetzung liege aber in der Verantwortung des neuen Vorstandsteams, dem Zetsche nach 13 Jahren an der Konzernspitze bald nicht mehr angehören wird. Die Wahl seines Nachfolgers findet auf der Hauptversammlung im Mai statt.

Probleme mit den PKW: Daimler-Produktion in Sindelfingen

Das Konzernergebnis war 2018 unter anderem wegen eines schwachen Autogeschäfts um fast ein Drittel eingebrochen. Die Profitabilität der wichtigen Pkw-Sparte hatte im vergangenen Jahr auch unter dem Handelsstreit zwischen den USA und China und Auslieferungsstopps bei einzelnen Dieselmodellen gelitten.

Geringere Umsatzrendite

Die Umsatzrendite in dem Geschäftsbereich, die den Anteil vom operativen Gewinn am Umsatz anzeigt, lag 2018 nur noch bei 7,8 Prozent (2017: 9,4 Prozent). “Damit können und wollen wir nicht zufrieden sein”, sagte Zetsche. In der Regel peilt der Konzern hier einen Wert von acht bis zehn Prozent an. Das sieht Daimler nun aber erst wieder 2021 im Rahmen des Möglichen. 2019 soll die Pkw-Rendite zwischen sechs und acht Prozent liegen.  

2018 brach das Ergebnis des Konzerns unterm Strich um 29 Prozent auf 7,25 Milliarden Euro ein. Den Umsatz konnte Daimler vor allem dank der Lastwagensparte um zwei Prozent auf 167,36 Milliarden Euro steigern.

Wie wird der Konzern in zehn Jahren aussehen?

“Es geht jetzt darum, ob Daimler in zehn Jahren noch Bestand hat”, mahnt der Fonds-Chef Bert Flossbach. Er und andere wichtige Investoren erwarten klare Sparziele vom Konzern. “Daimler muss noch mehr Anstrengungen unternehmen, um effizienter zu werden”, sagt der Autoexperte der Fondsgesellschaft Union Investment, Michael Muders. “Man muss sich über die Fertigungstiefe des Konzerns unterhalten, die ist eigentlich zu groß.”

Sein Kollege Stefan Bauknecht von der Fondsgesellschaft DWS mahnt ebenfalls “Kostenkontrolle als Priorität” an. Allerdings dürfte der Sparzwang auch die Aktionäre treffen, zu denen ja auch die Investoren selbst gehören: “Wir gehen davon aus, dass die Dividende gekürzt wird”, so Bauknecht.


  • Große Elektroauto-Pläne von Daimler, VW und Co.

    Daimlers elektrische Zukunft heißt EQC

    Das erste gute Stück der künftigen Produktfamilie von reinen Elektroautos bei Daimler wurde jetzt in Stockholm vorgestellt. Der erste Aufschlag des Stuttgarter Autobauers ist der EQC, eine elektrische SUV-Variante. Ihm sollen in den kommenden Jahren weitere folgen: vom Kompaktwagen bis zum Luxusauto. Dafür wurden Milliarden investiert.


  • Große Elektroauto-Pläne von Daimler, VW und Co.

    Ein E-Bus von Daimler

    Als erstes reines Elektroauto brachte der Stuttgarter Autobauer Ende 2014 ein B-Klasse-Modell auf den Markt. Es wird inzwischen nicht mehr produziert. Der erste komplett batteriebetriebene Stadtbus von Mercedes-Benz, der eCitaro (Bild), soll Ende des Jahres im Werk in Mannheim in Serie gehen.


  • Große Elektroauto-Pläne von Daimler, VW und Co.

    Klein, aber elektrisch

    Konsequent treibt Daimler seine Smart-Sparte in Richtung Elektromobilität. Ab 2020 sollen in Deutschland und Westeuropa ausschließlich E-Autos der Marke verkauft werden. Die anderen Märkte sollen schnell darauf folgen. In den USA, Kanada und Norwegen werden seit 2017 nur noch e-Smarts angeboten. Hintergrund: Weil der Smart so wenig wiegt, belastet er als Verbrenner die CO2-Bilanz des Konzerns.


  • Große Elektroauto-Pläne von Daimler, VW und Co.

    Daimler dicht auf den Fersen

    Fünf Tage nach der Daimler-Präsentation, stellt Erzrivale BMW seinen iNext vor. Weil wir keine Autozeitung sind, haben wir bislang nur diese kleine Bleistift-Skizze. Der iNext soll eine Reichweite von 700 Kilometern haben und autonom fahren. Aber erst ab 2021.


  • Große Elektroauto-Pläne von Daimler, VW und Co.

    BMW hat klein angefangen

    Die Bayern hatten zumindest den Mut, schon frühzeitig eine eigene E-Auto-Modellreihe zu kreieren. Seit Herbst 2013 wird der i3 (Bild) produziert, ein Jahr später ging der i8 an den Start. Aber dabei bleibt es nicht. 2020 soll ein batterieelektrisches Auto, ein SAV (Sports Activity Vehicle), auf den Markt kommen. Ebenfalls geplant sind Versionen des i8 als Coupé und Roadster.


  • Große Elektroauto-Pläne von Daimler, VW und Co.

    Volkswagen fährt bereits elektrisch

    Der große Konkurrent Volkswagen hat den E-Golf und den E-Up als reine Elektrofahrzeuge im Angebot – den Kleinwagen E-Up seit Ende 2013, den E-Golf seit Anfang 2014. Unter den rein elektrischen Pkw ist der E-Golf das meistverkaufte Elektroauto in Deutschland. Und die Zukunft?


  • Große Elektroauto-Pläne von Daimler, VW und Co.

    Die elektrische VW-Familie

    Derzeit baut Volkswagen sein Werk in Zwickau (Sachsen) komplett um, dort soll ab dem kommenden Jahr die sogenannte I.D.-Familie produziert werden, eine eigenständige Elektro-Plattform. Neben einem Golf-ähnlichen Gefährt soll auch der Bully auferstehen, der dann aber I.D. Buzz heißen soll.


  • Große Elektroauto-Pläne von Daimler, VW und Co.

    Auch Audi macht Daimler und BMW Elektro-Konkurrenz

    Nur Tage nach Daimler und BMW zeigt Audi am 17. September seinen elektrischen Premiumwagen: ein SUV. Der e-tron (im Bild die Konzeptstudie) ist Audis erstes reines Elektrofahrzeug. Bis 2020 sollen ein elektrisches SUV-Coupé, ein Sportwagen und ein Kompaktauto folgen. Ab 2025 will Audi dann jährlich mindestens 800.000 Elektroautos und Plug-in-Hybride verkaufen.


  • Große Elektroauto-Pläne von Daimler, VW und Co.

    Der Inbegriff des deutschen Sportwagens – bald elektrisch

    Auch Porsche steckt derzeit Milliarden in Elektromobilität. Der erste rein elektrische Porsche ist 2020 zu erwarten. Sein Name: Taycan. Das kommt aus dem Türkischen. Tay heißt Fohlen und Can steht für Leben oder Seele. Porsche übersetzt es frei in “lebhaftes, junges Pferd” – passend zum Logo des Autobauers.


  • Große Elektroauto-Pläne von Daimler, VW und Co.

    Opel will Zwischenlösung bald beenden

    Opel-Fans können seit 2012 elektrisch fahren: mit dem Ampera. Er ist aber nur eine Zwischenlösung, weil er auf einem General Motors-Modell basiert. Opel muss den Wagen importieren, für die EU umrüsten und hohe Lizenzgebühren an GM zahlen. Daher setzt der neue Opel-Eigner PSA künftig auf selbst entwickelte Stromer. Für 2020 ist ein Corsa mit Elektro-Antrieb geplant und bis 2022 vier e-Modellreihen.


  • Große Elektroauto-Pläne von Daimler, VW und Co.

    Start-Ups tummeln sich auf dem Markt für Elektroautos

    Nicht nur alteingesessene Autobauer mischen bei der Elektromobilität mit. Erst 2015 wurde in Aachen die e.GO Mobile AG gegründet. Im März 2017 präsentierte das junge Unternehmen sein erstes Serienmodell e.GO Life. Es soll ab Ende 2018 ausgeliefert werden – ab 15.000 Euro. Das Start-up-Unternehmen ist eine Ausgründung der RWTH Aachen.


  • Große Elektroauto-Pläne von Daimler, VW und Co.

    Deutsche Post baut sich E-Transporter selbst

    Weil die etablierten Hersteller nicht in der Lage waren, elektrische Transporter in großer Stückzahl zu liefern, ergriff die Deutsche Post selbst die Initiative. 2014 übernahm sie den Hersteller StreetScooter und entwickelte den gleichnamigen Elektrotransporter für den Eigenbedarf. Über 6000 davon kurven mittlerweile für die Post durch die Republik.


  • Große Elektroauto-Pläne von Daimler, VW und Co.

    Große deutsche Pläne nicht erfüllt

    Gut 17.200 Elektrofahrzeuge wurden im ersten Halbjahr 2018 in Deutschland neu zugelassen, dazu noch knapp 16.700 Hybrid-Autos. Das macht ein Plus von 51 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und einen Marktanteil von 1,8 Prozent. Im Vergleich zu China oder Norwegen ist das wenig. Und das ursprüngliche Ziel, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu erreichen: in weiter Ferne!


  • Große Elektroauto-Pläne von Daimler, VW und Co.

    Marktdurchbruch in Deutschland wird kommen

    Während in China E-Autos schon wesentlich mehr verbreitet sind, rechnen Experten für Deutschland erst ab 2020 mit einer deutlichen Steigerung der Marktdynamik. Ein Grund sind die schärferen CO2-Grenzwerte der EU, die die Autobauer dann einhalten müssen.

    Autorin/Autor: Insa Wrede


Stelleabbau ist nicht geplant

Ein Stellenabbau sei jedenfalls nicht geplant, sagte ein Daimler-Sprecher am Rande der Bilanzvorlage. Für die Stammbelegschaft in Deutschland sind betriebsbedingte Kündigungen ohnehin ausgeschlossen. Leiden könnten allerdings die Leiharbeiter, die von Konzernen in der Regel eingesetzt werden, um flexibler produzieren zu können.  

Schon 2017 hatte Daimler angekündigt, wegen hoher Entwicklungsinvestitionen in der Pkw-Sparte bis 2021 vier Milliarden Euro an Kosten sparen zu wollen. Hintergrund sind unter anderem die hohen Investitionen in die neuen Elektro-Modelle. In diesem Jahr kommt das erste Auto der neuen Marke EQC auf den Markt. Nach derzeitigem Stand sei die Nachfrage so hoch, dass Daimler diese 2019 und auch 2020 nicht bedienen könne, sagte Dieter Zetsche.  

Neben der anhaltenden Debatte um Diesel und saubere Luft rechnet der 65jährige auch weiter mit Belastungen aus dem Handelsstreit zwischen den USA und China. “Wir bereiten uns auf unterschiedliche Szenarien vor”, sagte er. Auch ein harter Brexit bliebe nicht ohne Folgen. Großbritannien ist Daimlers viertgrößter Autoabsatzmarkt.  

Konkurrenz durch Google und Co

Und dann machen ja auch noch die großen Tech-Konzerne aus den USA Druck. “In Feldern wie Vernetzung und Software haben wir nicht genügend Know-how”, sagt Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht.

Geteilte Mobilität gewinne immer mehr an Fahrt, Anbieter wie Uber oder Lyft zeigten mit ihren Plattformen bereits heute, was sie leisten könnten. “Die Google-Tochter Waymo kann 40 Milliarden Euro für die Entwicklung neuer Systeme ausgeben. Im Vergleich dazu sind unsere Finanzmittel eher klein”, so Brecht.

Problemgespräche: Daimler-Chef Zetsche im Dezember in Washington

Kooperation zur Kostensenkung

Der Daimler-Betriebsrat befürwortet eine von Experten schon längst geforderte Entwicklungskooperation zur Kostenteilung der deutschen Autobauer und der großen Zulieferer wie Bosch oder Continental, eine Bündelung der Kräfte für eine gemeinsame Digital-Strategie.

“Eine gute Idee, sofern es denn überhaupt von den EU-Wettbewerbsbehörden genehmigt wird”, sagt Autoanalyst Frank Schwope. Schließlich müsse man den US-amerikanischen und demnächst wohl auch den chinesischen Tech-Konzernen etwas entgegensetzen.

Staatliche Maßnahmen in diesem Zusammenhang, wie gerade von Wirtschaftsminister Peter Altmaier ins Spiel gebracht, steht Daimler-Chef Zetsche skeptisch gegenüber. Der Staat solle sich vor allem um gute Rahmenbedingungen im Hinblick auf Infrastruktur und Bildung kümmern. “Industriepolitik sollte aus meiner Sicht nicht im Vordergrund stehen.”

Greifen die Chinesen nach Daimler?

Phantasien um größere Investitionen bei Daimler aus China kann Auto-Analyst Schwope allerdings schon gewisse Reize abgewinnen. Li Shufu, der Eigner des chinesischen Autobauers Geely, sei ja bereits mit einem Anteil von fast zehn Prozent Großaktionär bei den Stuttgartern. 

“Sofern keine Übernahmebeschränkung von deutscher Seite käme, könnte es ja sein, dass Daimler in absehbarer Zeit noch enger mit Geely aneinander rücken würde”, so Schwope. Für den Daimler-Vorstand wäre das sicherlich unangenehm, aber für den Konzern und vielleicht auch für die Mitarbeiter könnte eine weitere Verschmelzung durchaus interessant sein. “Wenn man halb chinesisch ist, hat man sicherlich auch einen besseren Zugang zum chinesischen Automarkt, dem wichtigsten Markt der Welt.”

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