Wirtschaft

Afrikas Zukunft liegt in der Agrarindustrie

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Die Wirtschaft in Afrika wächst – doch Armut und Arbeitslosigkeit grassieren weiter. Der Präsident der afrikanischen Entwicklungsbank, Akinwumi Adesina, spricht im DW-Interview darüber, wo jetzt investiert werden muss.

Deutsche Welle: Das Wirtschaftswachstum in Afrika steigt. Und doch bleibt es immer noch unzureichend, um Arbeitslosigkeit und Armut zu reduzieren, heißt es im Bericht Ihrer Institution. Wie viele Jobs müssten in Afrika jedes Jahr geschaffen werden, um diese beiden Grundsatzprobleme zu lösen?

Akinwumi Adesina: Unser Problem ist, dass jedes Jahr 10 Millionen neue junge Leute auf den Arbeitsmarkt strömen, aber nur Arbeit für drei Millionen da ist. Dieses Defizit von sieben bis acht Millionen Jobs müssen wir beseitigen, indem wir Jobs schaffen. Wir haben keine andere Wahl! Ich denke nicht, dass die Zukunft der jungen Afrikaner in Europa ist, und ich werde das nicht zulassen! Ich akzeptiere auch nicht, dass ihre Zukunft auf dem Boden des Mittelmeeres oder in der Hitze der Sahara liegt. Die Zukunft muss hier in Afrika liegen: mit einem noch höheren Wirtschaftswachstum. Das Bruttoinlandsprodukt muss der Motor zur Schaffung von Beschäftigung der jungen Leute sein.

Wie soll das gelingen?

Wir müssen den demographischen Vorteil Afrikas in einen wirtschaftlichen Vorteil umwandeln. Wir müssen die jungen Leute darin unterstützen, dass sie besser an die Jobs herankommen. Aber es soll auch nicht irgendeine Arbeit sein, sondern eine qualitativ hochwertige Arbeit, die dazu beiträgt, dass unsere Wirtschaft angekurbelt wird. Aus diesem Grund hat die Afrikanische Entwicklungsbank begonnen, die Staaten finanziell zu unterstützen, um über einen Zeitraum von zehn Jahren 25 Millionen Jobs zu schaffen.

Mehr junge Afrikaner sollen künftig Jobs im IKT-Sektor finden

Dabei haben wir den Schwerpunkt auf drei Bereiche gelegt: Um Afrika reicher zu machen, müssen wir, erstens, die Landwirtschaft verändern, in der Produktion, aber auch in der Verarbeitung und Wertschöpfung unserer landwirtschaftlichen Produkte. Daher haben wir entschieden, dass wir 24 Milliarden Dollar in die Landwirtschaft investieren – für mich die Zukunft Afrikas. Zweitens geht es um kleine und mittelständische Betriebe, drittens um Investitionen für den Sektor Informations- und Kommunikationstechnologie.

Sie sprachen von Industrialisierung, um Jobs zu schaffen und die informelle Wirtschaft zu bekämpfen, sowie von der Schaffung eines großen Binnenmarktes für den ganzen Kontinent. Glauben Sie, dass diese beiden Faktoren ausreichen, um Afrika vor den internationalen Handelskriegen zu schützen, die der Preisverfall von Rohstoffen mit sich bringt?

Wenn etwas nicht so läuft, wie es sollte, darf man nicht einfach mit den Dingen weitermachen, die falsch laufen. Man kann nichts normalisieren, was nicht normal ist. Und es ist für Afrika nicht normal, dass es seine Rohstoffe (unverarbeitet, Anm. d. Red.) exportiert. Es ist nicht normal, dass man Kakaobohnen exportiert. Es ist nicht normal, Baumwollfasern zu exportieren. Es ist nicht normal, Kaffee (unverarbeitet, Anm. d. Red.) zu exportieren.

Die Geheimnisse des Reichtums sind klar: Die reichen Länder dieser Welt sind diejenigen, die industrialisiert sind und den Wert aus allem schöpfen, was sie produzieren. Und die armen Länder sind die, die ihre Rohstoffe exportieren. Das ist der Grund, warum die Afrikanische Entwicklungsbank einen wichtigen Schwerpunkt setzt auf die Industrialisierung Afrikas!

Ghana und die Elfenbeinküste exportieren vor allem Kakaobohnen – die Schokolade wird meist woanders produziert.

Letztes Jahr haben wir in Ghana 600 Millionen Dollar mobilisiert, um die Kakao-Verarbeitung voranzutreiben. Wir haben der Kaffeevermarktungsstelle der Côte d’Ivoire sieben Millionen Dollar gegeben, um eine Veränderung in der Führung in diesem Sektor anzustoßen. Es gibt nicht einen einzigen Fall, in dem ein Land der Armut entkommt, ohne dass es industrialisiert wird. Für uns in der Afrikanischen Entwicklungsbank muss die Industrialisierung in Afrika eine Agro-Industrialisierung sein, also eine, die die Landwirtschaft betrifft. Das wäre eine Riesenchance für Millionen Afrikaner, die im ländlichen Raum leben. Und ich als Präsident der Afrikanischen Entwicklungsbank akzeptiere nicht, dass aus Armut ein komparativer Kostennachteil für Afrika wird.

Was halten Sie vom Franc CFA? Es gibt ja seit einiger Zeit eine Debatte darüber, befeuert auch von italienischen Rechtspopulisten, unterstützt vom nigrischen Finanzminister, dass es der Franc CFA sei, der die frankophonen Staaten Afrikas verarmt.

Wissen Sie, solche Diskussionen über Währungen haben mit Entscheidungen der afrikanischen Entwicklungsbank nichts zu tun. Es sind die Länder selbst, die solche Diskussionen führen. Unsere Rolle ist klar: Wir müssen die nötigen Ressourcen zur Verfügung stellen, um Analysen aus allen Perspektiven zu machen. Und am Ende sind es dann die Länder selbst, die die Entscheidung treffen!

Das Interview führte Julien Adayé.

Übersetzung: Dirke Köpp

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